Warum Du mit Aktien gar nichts falsch machen kannst

Aktien sind gefährlich. Die Börse ist unsicher. Da kannst Du auch gleich Roulette spielen. Lass da besser mal die Finger von. Nicht, dass Du was falsch machst.

So oder so ähnlich lautet die weit verbreitete Meinung in Deutschland.

Aktien, nein danke.

Diese Meinung kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern hat einen handfesten Grund: die Telekom-Aktie.

Ich erinnere mich noch gut an einen Nachmittag im Zechenhaus meiner Großeltern 1996. Der Bruder meines Opas marschierte hinein, setzte sich auf die unteren Stufen der Treppe, die bis in die Wohnküche reichte und berichtete begeistert von seinem neuen Investment. Er gehörte zu den glücklichen, die Telekom-Aktien ergattern konnten und war schlichtweg begeistert. Deutliche Kursgewinne bereits am ersten Tag und kein Ende in Sicht.

Bis Ende 1999 versiebenfachte sich der Kurs gar.

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Was dann kam ist Geschichte: die Telekom-Aktie stürzte, zusammen mit dem Neuen Markt, ab. Und aus der viel gepriesenen Volksaktie wurde der Grund, warum Aktien in Deutschland noch immer als gefährlich und unsicher gelten.

Und das Trauma sitzt tief. Zu viele haben entweder selber Geld an der Börse verloren, oder aber kennen jemanden aus der Familie oder dem engeren Freundeskreis, dem es so ergangen ist.

Und daher wird lieber auf Rendite verzichtet, das Geld auf Sparbuch, Tagesgeldkonto & Co. geparkt und die Börse gemieden.

Dabei sind Aktien historisch gesehen überhaupt nicht gefährlich

Dabei zeigen die historischen Fakten: Die Börse ist überhaupt nicht gefährlich oder unsicher. Ganz im Gegenteil. Langfristige betrachtet sind nämlich Anleihen und Festgeld sogar die riskantere Anlageform.

Das sollte ich wohl erklären.

Quelle:  Welt.de

Quelle: Welt.de

Die Aussage bezieht sich auf eine Studie der Allianz Global Investors, die sich die historischen Aktienkurse und die Entwicklung von Anleihen und Festgeld einmal genauer angesehen hat.

Nach deren Beobachtung, hat jeder Anleger, der in den amerikanischen Aktienmarkt investiert und sein Investment für 30 Jahren gehalten hat, in jedem Fall einen Gewinn erzielt. Dieser war in seiner Höhe zwar schwankend - abhängig davon, wann derjenige investiert hatte - aber in jedem Fall positiv.

Im Gegensatz zu Anleihe und Festgeld.

Wie kann das aber sein, fragst Du Dich, wo doch Anleihen und Festgelder sicher sind? Ganz einfach: die Ergebnisse beziehen sich auf die reale Rendite. Also das Ergebnis, was bereinigt um die Inflation am Ende des Investments übrig bleibt.

Sichere Anlagen sind also nicht immer sicher

Lass mich das kurz erklären: NATÜRLICH sind diese Anlagen sicher; nämlich in der Hinsicht, dass Du Dein angelegtes Kapital am Ende der Laufzeit zu 100% zurück bekommst.

Legst Du also 1.000€ an, bekommst Du immer mindestens diese 1.000€ zurück.

Quelle:  handelsblatt.de

Jetzt aber kommt das ganz große ABER:

Auch wenn es nominal 1.000€ sind, kann es sein, dass sich der Wert des Geldes - also das, was Du Dir davon kaufen kannst - verringert hat. Durch die Inflation.


Lass mich Dir ein Beispiel geben:

  • Aktuell bekommst Du auf einem Tagesgeldkonto etwa 0,5% Zinsen.

  • Gleichzeitig lag die Inflation in Deutschland in 2018 bei 1,9%.

  • Das heißt: in einem Jahr hat sich Dein Geld auf diesem Tagesgeldkonto um 0,5% vermehrt. Aus 1.000€ sind also 1.005€ geworden.

  • Da sich die Lebenshaltungskosten in Deutschland aber gleichzeitig um 1,9% erhöht haben, ist Dein Geld faktisch 1,9% weniger wert.

  • Und so werden aus 1.000€ unterm Strich nur noch 987€ oder -1,3%.


Und da solltest Du Dir schon die Frage stellen, ob das dann in Deinen Augen noch eine sichere Anlage ist.


Das hättest Du in Deutschland auch geschafft.

Die Allianz hat diese Studie übrigens deshalb auf Basis der Daten des amerikanischen Aktienmarktes gemacht, weil es für den amerikanischen Markt die längsten Aufzeichnungen gibt.


Auf anderen Märkten hätte das Ergebnis aber auch nicht viel anders ausgesehen, wie ich Dir jetzt anhand eines Beispiels des DAX, also des deutschen Aktienindex einmal zeigen möchte.

Genauer gesagt will ich Dir einmal aufzeigen, warum das Thema Geduld auf dem Aktienmarkt so wichtig ist und inwiefern es den “Erfolg” Deiner Anlage positiv beeinflusst.

Viel mehr noch als der leider verbreitete Irrglaube, der Kaufs- und Verkaufszeitpunkt einer Anlage sei der entscheidende Faktor.

Der Verkaufszeitpunkt ist weniger entscheidend als die Laufzeit

Um dies zu widerlegen habe ich ganz bewusst den “tiefsten Punkt” des Dax nach dem Platzer der Blase am Neuen Markt gewählt. Also den tiefsten Stand in den letzten nicht ganz 20 Jahren.

Davon ausgehend habe ich mir einmal angesehen, wie sich ein potenzielles Investment entwickelt hätte, wenn es für 2, 5, 15 oder 20 Jahre gehalten worden wäre. Und um das hier nicht mit zu viel Zahlen zu spicken, sondern einfacher zu machen, zeige ich Dir nun die entsprechenden Ausschnitte aus dem Kurschart.

Zuerst zeige ich Dir aber den Gesamtchart des Dax mit dem markierten angenommenen Verkaufszeitpunkt:

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Und nun die Ergebnisse der unterschiedlichen Anlagezeiträume:

Investment für 2 Jahre:   Dieser Ausschnitt zeigt übrigens das, was vielen Anlegern in der Zeit von 1998-2000 passiert ist. Und warum die Börse heute gerne so verteufelt wird.  Viele Anleger sind - oft mehr oder weniger kopflos - auf die allgemeine Aktienbegeisterung aufgesprungen und haben ihr Geld einfach irgendwie investiert. Ohne Strategie und meist in genau die Aktien, die ihnen entweder der Nachbar, oder der damals beliebte “aktienanalyst” Tulpenzwiebelguru (den gar es wirklich!) empfohlen hat.  Eine gute Anlage war das wirklich nicht. Denn: dicker Verlust...

Investment für 2 Jahre:

Dieser Ausschnitt zeigt übrigens das, was vielen Anlegern in der Zeit von 1998-2000 passiert ist. Und warum die Börse heute gerne so verteufelt wird.

Viele Anleger sind - oft mehr oder weniger kopflos - auf die allgemeine Aktienbegeisterung aufgesprungen und haben ihr Geld einfach irgendwie investiert. Ohne Strategie und meist in genau die Aktien, die ihnen entweder der Nachbar, oder der damals beliebte “aktienanalyst” Tulpenzwiebelguru (den gar es wirklich!) empfohlen hat.

Eine gute Anlage war das wirklich nicht. Denn: dicker Verlust...

Investment für 5 Jahre:   Auch die mit etwas mehr Geduld hätten dumm aus der Wäsche geguckt, wenn sie lediglich für 5 Jahre investiert hätten und am tiefsten Punkt ausgestiegen wären. Der Verlust wäre zwar nicht mehr ganz so schlimm wie nach 2 Jahren; ein saftiger Verlust wäre es dennoch gewesen.  Gutes Investment? Nope.

Investment für 5 Jahre:

Auch die mit etwas mehr Geduld hätten dumm aus der Wäsche geguckt, wenn sie lediglich für 5 Jahre investiert hätten und am tiefsten Punkt ausgestiegen wären. Der Verlust wäre zwar nicht mehr ganz so schlimm wie nach 2 Jahren; ein saftiger Verlust wäre es dennoch gewesen.

Gutes Investment? Nope.

Investment für 15 Jahre:   Kommen wir nun in den Bereich, den ich unter “Geduld haben” verbuchen würde.  Das selbe Investment hätte nämlich ganz anders ausgesehen, wenn der Anleger sein Investment 15 Jahre hätte liegen lassen. Selbst wenn er dann alles auf dem tiefsten Punkt der vergangenen 20 Jahre verkauft hätte, hätte er ein deutliches Plus erwirtschaftet  Gutes Investment? Absolut. Selbst bei einem wirklich schlechten Verkaufszeitpunkt.

Investment für 15 Jahre:

Kommen wir nun in den Bereich, den ich unter “Geduld haben” verbuchen würde.

Das selbe Investment hätte nämlich ganz anders ausgesehen, wenn der Anleger sein Investment 15 Jahre hätte liegen lassen. Selbst wenn er dann alles auf dem tiefsten Punkt der vergangenen 20 Jahre verkauft hätte, hätte er ein deutliches Plus erwirtschaftet

Gutes Investment? Absolut. Selbst bei einem wirklich schlechten Verkaufszeitpunkt.

Investment für 20 Jahre:   Nochmal besser sieht das Ganze übrigens aus, wenn der Anleger 20 Jahre Geduld bewiesen hätte. Immer noch ist der Verkaufszeitpunkt mies. Und trotzdem ist der Gewinn mehr als nur ordentlich.  Gutes Investment? Hell, yes!

Investment für 20 Jahre:

Nochmal besser sieht das Ganze übrigens aus, wenn der Anleger 20 Jahre Geduld bewiesen hätte. Immer noch ist der Verkaufszeitpunkt mies. Und trotzdem ist der Gewinn mehr als nur ordentlich.

Gutes Investment? Hell, yes!

Aktien sind nur auf kurze Zeiträume riskant...

Bleibt also festzuhalten: wenn Du genug Geduld mitbringst, kannst Du selbst im ungünstigsten Zeitpunkt aussteigen und hat trotzdem noch einen Gewinn gemacht. Und zwar einen richtig guten.

Hinzu kommt, dass die meisten von uns ja an der Börse investieren wollen, um fürs Alter vorzusorgen. Heißt: wir werden höchstwahrscheinlich nicht unser gesamtes Investment an einem bestimmten Tag verkaufen, sondern an verschiedenen.

Das mindert unser Risiko, einen Verlust zu machen, nochmal deutlich.


Nehmen wir einmal an, Du wärest am tiefsten Punkt der Aktienkurse in 2000 in Rente gegangen. Vermutlich hättest Du dann erstmal nur so viel verkauft, wie Du für ein Jahr zum leben brauchst und den Rest jeweils in den Folgejahren.

Das heißt: die “schlechten Kurse” hätten Dich nicht für Dein gesamtes Kapital getroffen, sondern nur für einen Teil. Bereits etwa 2006 wurden die tollen “Vor-Neuer-Markt-Krise”-Kurse nämlich bereits wieder übertroffen. Und die nach der Finanzkrise wieder ab etwa 2011. Und so weiter. Und so weiter.

Unterm Strich bedeutet das: auf kurze Sicht gesehen kannst Du sicherlich hohe Verluste am Aktienmarkt machen. Langfristig gesehen ist das jedoch so gut wie unmöglich. Frag mal all diejenigen, die Dich vor der Börse warnen, weil sie selber so schlechte Erfahrungen gemacht haben, wie lange sie ihr Geld liegen gelassen haben...

...und wenn Du alles auf ein Pferd setzt

Und wenn Du schon dabei bist, dann frag sie gleich auch, in wie viele Aktien sie eigentlich investiert hatten.

Denn, zugegeben, wenn Du meine Berechnungen nur auf z.B. die Telekom-Aktie anwendest (oder auf die der Deutschen Bank), dann geht die Rechnung nicht auf und Du könntest immer noch im Minus sein.

Und genau deshalb ist es auch nicht sonderlich klug, sein Geld auf nur ein Pferd zu setzen.

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Denn die gezeigten Beobachtungen beziehen sich auf den Gesamtmarkt. Also alle Aktien.

Und genauso, wie Du Dein Risiko verringerst, wenn Du Dein Geld über einen langen Zeitraum anlegst, reduzierst Du es auch gewaltig, wenn Du es auf möglichst viele Aktien verteilst, bzw. im besten Fall gleich in “alle” investierst.

Dann sieht Dein Chart nämlich gleich viel besser aus:

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Fazit

Unterm Strich können wir also festhalten: Wenn Du Dein Geld lang genug liegen lässt und breit genug streust, kann gar nichts schiefgehen.

Oder anders ausgedrückt: Du brauchst keine Angst zu haben, Dein Geld an der Börse zu investieren. Richtig gemacht, ist es keinesfalls gefährlich, noch Roulette. Sondern eine handlebare Investition, die - wenn Du die Inflation berücksichtigst - in der Vergangenheit immer bessere Renditen gebracht hat, als Sparbuch & Co.

Anlage in Aktien will gelernt sein

Natürlich klappt das aber nur, wenn Du diese Investition mit Sinn und Verstand tätigst und nicht - wie es viele damals mit der Telekom-Aktie gemacht haben - einem allgemeinen Hype blind hinterher rennst.

Warum auch Du als Selbstständige auf den Vermögensaufbau mit Aktien setzen solltest (und wie Dir das erfolgreich gelingt), zeige ich Dir übrigens in meinem gratis Finanz-Kurs, für den Du Dich hier gratis anmelden kannst.

Darin lernst Du, wie Du als selbstständige Frau Deinen Finanzen organisierst, so dass Du Geld zurücklegst und bestmöglich vermehrst, selbst wenn Du weder Zeit noch Lust hast, Dich damit zu beschäftigen.

 
 

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Aktien sind gefährlich. Die Börse ist unsicher. Da kannst Du auch gleich Roulette spielen. Lass da besser mal die Finger von. Nicht, dass Du was falsch machst. So oder so ähnlich lautet die weit verbreitete Meinung in Deutschland.  Dabei ist sie erwiesenermaßen falsch! Wie Du mit geringem Risiko mit Aktien richtig Geld verdienen kannst, erzähle ich Dir im Artikel #finanzen #aktien #boerse #etf #geld #investieren