Geld und Moral - 7 Mythen und Vorurteile zum Thema Geld, die absolut unwahr sind

Eigentlich ist es ja nur Geld. Ein Zahlungsmittel. Bedrucktes Papier und ein wenig Metall. Und doch ranken sich so viele Mythen und Vorurteile um das liebe Geld, dass es nicht verwunderlich ist, warum viele ein so emotionales Verhältnis dazu haben.

Auch, weil sie einiges von klein auf eingetrichtert bekommen haben. Weil es ihnen vorgelebt wurde. Und vielleicht auch, weil das Leben sie gelehrt hat, dass es vermeintlich so ist.

Zeit also, mit den wichtigsten Mythen und Überzeugungen einmal aufzuräumen.


1 | Falsche Glaubenssätze

Geld ist knapp.

Es ist nicht genug für alle da.

Reich können nur ganz wenige werden.

Geld verdirbt den Charakter.

Ich brauche nicht viel zum Leben.

So, oder so ähnlich, lauten die genauso festen wie falschen Überzeugungen, die leider vielen in ihrer Kindheit eingepflanzt wurden. Auch meine Oma sagte häufig: “Wir sind halt arm, aber wir haben genug.” Was ja in etwa bedeutet: gib Dich zufrieden mit dem, was Du hast.

Natürlich könnte ich nun daran glauben und bescheiden vor mich hinleben. Doch sollte ich das wirklich tun? Ist es nicht viel sinnvoller, die Chancen zu nutzen, die das Leben heute für uns alle bereit hält. Die Möglichkeiten reich UND glücklich zu werden.

Denn das geht. Niemand muss ein Schwein sein, um finanziell erfolgreich zu sein. Niemand wird automatisch zum Idioten, nur weil er ein paar Scheine mehr auf der Bank liegen hat. Und unglücklich macht Geld ganz sicher nicht.

Denke immer dran: solche Meinungen sind nur in Deinem Kopf und Du allein hast die Macht, zu entscheiden, was Dein Kopf denkt!


2 | Mit meinen paar Kröten lohnt es sich gar nicht, dass ich mich mit meinem Geld beschäftige

Das ist DIE Ausrede schlechthin, warum jemand meint, er brauche oder könne sich gar nicht wirklich um seine Finanzen kümmern. Es lohnt sich ja nicht. Ich habe eh nicht viel, was ich sparen kann. Mimimimi. Ich will aber nicht ;-).

Dabei übersehen viele jedoch, dass erfolgreicher Vermögensaufbau aus mehreren Komponenten besteht. Neben dem aktuell zur Verfügung stehenden Betrag (der ja wirklich klein sein mag), sind da außerdem noch die Faktoren Zeit und Verbesserung.

Und die Zeit ist, gerade wenn es um Rendite geht, Dein bester Freund.

Heißt: je eher Du anfängst, desto besser.

Ein Beispiel gefällig?

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Die clevere Clara legt unterm Strich deutlich weniger Geld zur Seite als die dumme Diana. Und hat am Ende doch 50.000€ mehr.

Clara beginnt bereits mit 25 100€ im Monat zu sparen. Das tut sie für 10 Jahre. Anschließend hört sie auf einzuzahlen, lässt ihr Geld aber weiter für sie arbeiten.

Diana hingegen wartet bis sie 35 ist. Und legt ab dann ebenfalls jeden Monat 100€ an. Dies tut sie für insgesamt 30 Jahre. Und obwohl Clara nur 10 Jahre Geld gespart hat (insgesamt 12.000€) und Diana sogar für 30 (insgesamt also 36.000€) hat Clara am Ende mehr Geld zur Verfügung.

Wie kann das sein, fragst Du Dich?

Der Grund dafür nennt sich Zinseszinseffekt und ist der allergeilste Scheiß, wenn es um Vermögensaufbau geht.

3 | Sparen macht reich

Zugegeben, das ist vielleicht nicht komplett falsch. Denn um reich zu werden, musst Du sicherlich erstmal etwas sparen. Aber vor allem, um Geld zu haben, das Du anschließend investieren kannst.

Denn erst die clevere Geldanlage ist das, was Dich tatsächlich reich macht.

Sparen an sich ist immer limitiert. Denn selbst wenn es Dir gelingen sollte, ohne Geld auszukommen, kannst Du trotzdem immer nur maximal den Betrag sparen, den Du monatlich einnimmst. Mehr nicht.

Und seien wir ehrlich: von Luft und Liebe kann niemand leben. Und wer will wirklich auf all die schönen Dinge des Lebens dauerhaft verzichten?

Ich zumindest nicht.

Vielmehr wünsche ich mir, dass ich

  1. aus dem, was ich heute habe, möglichst viel herausholen kann (ohne auf das zu verzichten, was mir Spaß bereitet)

  2. meine Einnahmen nach und nach erhöhen kann (damit ich mir gleichzeitig mehr leisten UND mehr sparen kann)


Heißt also: Wenn Du davon ausgehst, dass Deine Einnahmen eine feste Größe sind, bleibt Dein Potenzial für den Vermögensaufbau immer begrenzt. Sparen kannst Du nur einen bestimmten Teil und den auch nur dann, wenn Du verzichtest.

Vermehrst Du Dein Geld jedoch clever, steigt gleichzeitig auch der Betrag, den Du zurücklegen kannst. Und so vermehrt sich Dein Geld fast automatisch, ohne dass Du dafür verzichten musst.


4 | Du musst Deine Finanzen mit denen Deines Partners in einen Topf werfen

In vielen Beziehungen kommt irgendwann der Punkt, wo man seine Finanzen zumindest zum Teil in einen Topf wirft. Die gemeinsame Wohnung. Eventuell ein Eigenheim. Kinder. Die Menge der gemeinsamen Verpflichtungen steigt. Was liegt da näher als ein gemeinsames Konto.

Hinzu kommt ja in vielen Fällen noch, dass die Frau weniger verdient als ihr Partner (im Schnitt sind es 21%), weil sie entweder in einem schlechter bezahlten Job arbeitet oder vielleicht sogar Teilzeit. Oder beides.

Klar, dass es dann das einfachste ist, alles in einen Topf zu werden und ein gemeinsames Konto zu haben.

Doch ist es auch die beste Lösung?

Ich finde nein.


Denn geht die Beziehung einmal in die Brüche, entsteht folgendes Problem:

Er hat weiterhin den gut bezahlten Job, von dem er - auch wenn er seiner Unterhaltsverpflichtung nachkommt - problemlos weiter leben kann.

Sie hingegen hat wenig bis nichts gespart (wovon denn auch bei Teilzeit und Steuerklasse 5) und kommt nun vielleicht gerade so über die Runden. Wenn überhaupt.

Das entspricht nicht wirklich meiner Vorstellung von Gerechtigkeit.

Denn mal ganz abgesehen von der Frage, ob und warum die Aufgabe “Teilzeitjob und Kinderbetreuung” immer noch so selbstverständlich ein rein weibliches Metier ist, ist die Frau in dieser Konstellation einfach immer die Dumme.


Besser ist es daher immer, mit 3 Konten zu arbeiten. Jeder hat sein eigenes und ein Gemeinschaftskonto für die gemeinsamen Ausgaben.

Wie darauf eingezahlt wird, ist sicher vom jeweiligen Gehalt abhängig:

  • Verdient ein Partner deutlich mehr, ist es der gerechteste Weg, wenn beide Gehälter auf ein Konto gehen, von dem die laufenden Kosten gedeckt werden. Der Rest wird anschließend 50:50 auf die jeweiligen Einzelkonten überwiesen

  • Ist das Gehalt gleichmäßiger verteilt, kann man es natürlich auch andersrum machen: jeder hat sein eigenes Geld und zahlt seinen Teil auf das Gemeinschaftskonto ein


5 | Du musst alle Schulden zurückzahlen, bevor Du damit beginnen kannst, zu sparen

Ich habe einmal einen schönen Spruch gelesen, der das Thema Schulden gut zusammen fasst: “Jedes Mal, wenn Du Dir Geld leihst, beraubst Du Dein zukünftiges Ich.”

Denn Schulden zu machen bedeutet nichts anderes, als heute Geld für etwas auszugeben, was Du morgen erst bezahlst.

Das kann man machen (in gewissem Rahmen). Doch ob das sinnvoll ist, muss jede für sich selber wissen.

Hast Du aber nun leider gerade Schulden und nichts Erspartes und willst Deine Situation verbessern, stellt sich früher oder später die Frage: Was mache ich denn nun zuerst? Alle Schulden abbezahlen? Oder gleichzeitig schon etwas sparen?


Meine uneindeutige Antwort: es kommt darauf an ;-).

Es gibt 2 Möglichkeiten, die Situation zu betrachten:

  1. Die betriebswirtschaftliche Betrachtung
    Sind die Zinsen Deiner Schulden höher als die Rendite, die Du auf Dein ERspartes erzielst, solltest Du zuerst Deine Schulden tilgen und erst dann mit dem Sparen beginnen.

  1. Die emotionale Betrachtung
    Ist es für Dich persönlich wichtig, Dir bereits heute ein kleines Polster anzusparen, um zu wissen, dass Du keine neuen Schulden brauchen wirst, sollte einmal etwas unvorhergesehen passieren, dann ist das Dein Weg. Der mag unterm Strich zwar ein paar extra-Euro an Zinsen kosten. Doch dein Seelenfrieden darf Dir das gerne wert sein.

6 | An der Börse zu investieren ist reines Glücksspiel

Wer kennt ihn nicht? Den Onkel, Vater, Nachbarn, Kollegen, der entweder mit der Telekom-Aktie oder am neuen Markt (oder beides) bitterböse auf die Nase gefallen ist.

Oder - um nicht ganz so weit zurückzublicken - der sein Geld entweder mit Lehman-Zertifikaten oder mit P&R-Containern verzockt hat.

Letzere haben zwar nicht wirklich was mit der Börse zu tun, doch der Tenor ist immer derselbe: alles, was nicht unter der Überschrift “Sparen” läuft, ist gefährlich. Punkt.

Deshalb ist die Investition an der Börse auch nur Zockerei und der Kauf von Aktien ähnlich riskant wie reines Glücksspiel.

So zumindest der Vorwurf, den ich oft zu hören bekomme.

Und natürlich ist das nicht komplett falsch. Denn grundsätzlich kannst Du Dein Geld an der Börse wirklich komplett verlieren.

Kannst. Du musst aber nicht. Denn wenn Du einmal verstanden hast, wie die Börse funktioniert und welche Elemente eine gute Strategie beinhaltet, sinkt dieses Risiko ganz signifikant. Denn durch die Beschäftigung mit Deinen Anlagezielen, Deiner persönlichen Risikoaffinität und der geschickten Auswahl der passenden Produkte, wird aus wilder Zockerei ganz schnell eine Strategie mit Hand und Fuss.

Dann allerdings würdest Du Dein ganzes Geld auch nicht mehr in die Telekom,  Lehman-Zertifikate oder Container investieren ;-). Sondern deutlich cleverer vorgehen als die erfolglosen Beispiele aus Deinem Umfeld.

7 | Ein Eigenheim ist die beste Geldanlage

“Wenn Du ein Haus oder eine Wohnung kaufst und vor der Rente abbezahlst, dann sparst Du im Alter eine Menge Geld.” So, oder so ähnlich, wird immer wieder begründet, warum die selbstgenutzte Immobilie die beste Investionsentscheidung ever ever ever sei.

Leider übersieht diese Betrachtung ein paar Aspekte, die die berechtigte Frage aufwerfen, ob die Rechnung unterm Strich so wirklich aufgeht.

Während sich die meisten von uns bei der der Miete noch im Rahmen halten, also keine allzu große Wohnung wählen, sieht es meist komplett anders aus, wenn ein Eigenheim gekauft wird. Dann wird in die vollen gegangen und ein deutlich höherer monatlicher Betrag ausgegeben.

Dieser kann dann nicht mehr alternativ gespart werden. Also keine Rendite mehr erzielen. Genauso wie es viele Immobilien leider auch nicht tun. Heißt: nicht jedes Haus steigt im Preis. So sind einige Immobilien in den USA z.B. heute noch nicht wieder das wert, was ihre Eigentümer vor der Finanzkrise dafür bezahlt haben.

Das fällt jemandem vielleicht nicht auf, der selber drin wohnt (er will ja nicht verkaufen), doch rein rechnerisch ist das blöd. Denn dasselbe Geld, was nun in Deine Immobilie fließt, hätte in derselben Zeit an der Börse mehr Ertrag für Dich erwirtschaften können.

Und unterm Strich hättest Du, auch wenn Du “nur” mietest, also finanziell deutlich besser dastehen können.

Was ich damit sagen will, ist folgendes: glaube nicht blind, dass die selbstgenutzte Immobilie in jedem Fall eine gute Idee ist. Objektiv betrachtet ist sie das nämlich nicht unbedingt. Daher ist sie in Deinem Fall vielleicht auch nicht DAS erstrebenswerte Ziel, als das sie gerne dargestellt wird, sondern eine Investition, die mit der nötigen Zurückhaltung und Weitsicht betrachtet werden sollte.



 

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Eigentlich ist es ja nur Geld. Ein Zahlungsmittel. Bedrucktes Papier und ein wenig Metall. Und doch ranken sich so viele Mythen und Vorurteile um das liebe Geld, dass es nicht verwunderlich ist, warum viele ein so emotionales Verhältnis dazu haben. In diesem Artikel spreche ich die 7 häufigsten Mythen und Vorurteile zum Thema an und erkläre, warum sie im Grunde genommen falsche sind. #sparen #investieren #geld #finanzen #schulden