Frauen und Geld: Teilzeit und glücklich?

Letztens las ich in einem Artikel von einer Studie, derzufolge die meisten Frauen, die Teilzeit arbeiten, freiwillig in dieser Situation und zufrieden damit sind. Und das, obwohl sich 68% dieser Frauen sicher sind, später von Altersarmut bedroht zu sein. 25% sagen gar, dass sie sich mit dem Thema Rente gar nicht erst befassen, weil sie das Thema zu sehr frustriert.⠀

Kurz gesagt: ich war entsetzt!

Denn übersetzt bedeutet das in etwa: “Ja, ich sehe den Abgrund da hinten, aber ich fahre trotzdem mit Vollgas weiter drauf zu und ignoriere jede der unzähligen Abfahrten, die ich nehmen könnte.”

Und da frage ich mich schon: Ist das wirklich Euer Ernst Mädels?

Wie konnte es so weit kommen?

Aber ist das in einer Gesellschaft, in der es in Sachen Vereinbarkeit von Kind und Beruf noch immer nur schleppend voran geht, in der Vollzeit-arbeitende Frauen als Rabenmütter betrachtet und Männer in Elternzeit als Weicheier, wirklich so verwunderlich?

Nein. Aber besser macht es das auch nicht.

Es erklärt jedoch, wie es überhaupt so weit kommen konnte.

Denn es fängt doch schon in der Kindheit an. In Büchern, Filmen und Märchen sind die Helden männlich und die Prinzessinnen schön. Männer sind Arzt oder Pilot, Frauen Krankenschwester oder Flugbegleiterin.

Und natürlich hat bei den allermeisten in der Kindheit auch die Mutter den Großteil der Erziehung übernommen. Entweder als Hausfrau, oder sie arbeitete Teilzeit.

Klar, dass das prägt.

Aber nur weil Dinge “schon immer” so gemacht wurden, sind sie ja nicht unbedingt gut und richtig.

Vor allem dann nicht, wenn es um die Einschränkung der Möglichkeiten von uns Frauen geht.

Gleichberechtigung hört beim Geld verdienen auf

Und dabei, das möchte ich hier deutlich betonen, habe ich gegen Teilzeitarbeit gar nichts einzuwenden. Mal ganz abgesehen davon, dass Teilzeit ja ein dehnbarer Begriff ist, sollte jeder in einer freien Gesellschaft natürlich wählen dürfen, wie viel er arbeitet.

Doch leider sieht die Situation in der Realität viel zu oft so aus:

Derjenige, der in der Beziehung den Großteil des Geldes beisteuert, bekommt die Freiheiten gratis dazu.

Das Kind muss aus der Kita abgeholt werden: die Frau macht das. Der Mann kann vom Job schließlich nicht weg. Und mit dem Teilzeit-Job ist sie natürlich auch viel flexibler als er.

Leider kostet sie diese Flexibilität jegliche Chancen auf Verbesserung der Situation. Im Job signalisiert sie: “ Die Familie ist mir wichtiger”, was die Chancen auf berufliche Weiterentwicklung meist im Keim erstickt. Und auch zuhause findet meist kein finanzieller Ausgleich dafür statt, dass sie beruflich zurücksteckt.

Willkommen in der Teilzeit- und Hausfrauenfalle

Fordert die Frau dann etwas für sich, hört sie schnell Sätze wie: “Du hast ja auch viel mehr Zeit, Du arbeitest ja kaum.” oder “Ich bringe schließlich auch das ganze Geld nach Hause.”

Und schon ist einer gleicher als alles anderen - der Mann. Denn seine Zeit ist mehr Wert. Ebenso wie die Arbeit, die er leistet. Vor allem als die Zeit, die sie in die Familie investiert, in die alternden Eltern vielleicht, das Haus, den Hund.

Geld ist wichtiger als Betreuung.

Und leider auch mehr wert.

NATÜRLICH arbeite nicht alle Frauen in Teilzeit, weil sie sich in diese Rolle gedrängt fühlen. Es müssen ja auch gar nicht plötzlich alle Karriere machen wollen. Darum geht es ja auch gar nicht.

Was aber wirklich gar nicht geht, ist nicht einzustehen dafür, dass Familienzeit eben auch etwas wert ist und einfach zu ignorieren, dass die Frau im klassischen Modell die Zeche meist 2x zahlt:

Sie hat weniger Geld, wenn sie jung ist UND ist stark von Altersarmut bedroht, weil sie weniger einzahlt und spart.

Win win sieht für mich anders aus!

Nur weil es richtig ist, ist es nicht einfach

Und gerade deshalb hatte es mich wirklich geschockt, dass die Zahl derjenigen, die GERNE und FREIWILLIG Teilzeit arbeiten und sich TROTZDEM nicht um eine Lösung für die ihnen drohende Altersarmut kümmern, so hoch ist.

Für mich klingt das in höchstem Maße unlogisch. Dabei liegt die Lösung doch eigentlich auf der Hand, oder?

Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht.

Denn nun einfach den Zeigefinger zu erheben und mir unbekannten Frauen Vorwürfe zu machen, warum sie sich nicht um ihre Altersvorsorge kümmern, ist vielleicht etwas kurz gedacht.

Die Frage ist doch vielmehr: warum tun sie es nicht?

Und dann bin ich schnell wieder am Anfang dieses Artikels. Beim berühmten Rollenbild, das uns alle so geprägt hat. So einfach, wie es auf dem Papier klingt, ist es nämlich gar nicht, sich dagegen zu wehren.

Wenn Dir Dein ganzes Leben von jedem suggeriert wurde, dass es Deine Aufgabe ist, sich um die Kinder zu kümmern. Dass Du diese Kinder ja nicht bekommst, um dann keine Zeit mit ihnen zu verbringen. Wenn in Deinem Umfeld alle Männer “Ärzte” und die Frauen “Krankenschwestern” waren.

Dann ist die große Karriere nicht unbedingt die logische Schlußfolgerung daraus.

Aber sie ist weder unmöglich, noch zwingend erforderlich.

Zumindest nicht, wenn es um die Altersvorsorge geht.

Finanzielle Gleichberechtigung kann ganz einfach sein

Denn es geht auch anders. Es gibt gerechtere Varianten und nicht bei jeder musst Du zwingend gleich das gesamte Leben krempeln.

Das 3-Konten-Modell

Da ist zum Beispiel das 3-Konten-Modell. Ich finde es nicht perfekt, aber es ist vermutlich die gerechteste Variante bei unterschiedlich hohen Einkommen. (Das übrigens nichts mit dem 6-Konten-Modell zu tun hat, was ich Dir in diesem Artikel erkläre.)

Das funktioniert wie folgt:

  • Auf Konto Nummer 1 gehen alle Einnahmen: Dein Gehalt, sein Gehalt, Kindergeld etc.

  • Von Konto Nummer 1 werden alle gemeinsamen Ausgaben bestritten: Miete, Auto, Kinderbetreuung, Lebenskosten, Urlaub usw.

  • Der Rest wird 50:50 geteilt und anschließend auf Konto 2 und Konto 3 überwiesen

  • Konto 2 gehört Dir (und zwar nur Dir!)

  • Konto 3 gehört ihm

Das Ergebnis: gleiches Geld für beide Partner, unabhängig davon, wie viel Geld sie zum Familieneinkommen beisteuern.

Das Problem: der Partner mit dem höheren Einkommen zahlt natürlich auch weiterhin mehr Geld in die gesetzliche Rente ein.

Das 50:50-Modell

Besser finde ich da, Arbeit und Kinderbetreuung gleichberechtigt aufzuteilen. Beide arbeiten und beide kümmern sich um die Kinder. Ob das in Voll- oder Teilzeit erfolgt, bleibt dann einfach jedem selbst überlassen.

Der Vorteil: beide Partner haben die gleichen Chancen auf ein gutes Einkommen und Karriere, wenn sie diese denn anstreben. Und sie sind beide finanziell unabhängig und haben die Mittel, sich um ihre Altersvorsorge zu kümmern.

Dieses Modell ist jedoch nicht unbedingt der einfache Weg. Heißt es bei vielen oft, Kind ODER Karrier, bedeutet es in diesem Fall Kind UND Karriere. Das bedeutet eine Vielzahl von Kompromissen. Und eine Menge mehr Verantwortung.

Denn wenn jeder zu 50% am Familieneinkommen beteiligt ist, dann ist es auch die Verpflichtung jedes einzelnen, dafür zu sorgen, dass es steigt. Doch gleichzeitig bedeutet es auch mehr Status (und das meine ich im Sinne von Anerkennung), Selbstbewusstsein, Freiheit und Möglichkeiten.

Und ein signifikant geringeres Risiko von Altersarmut betroffen zu sein.

Und genau das halte ich für maximal erstrebenswert.


 

Pin mich:

Fast alle Frauen arbeiten GERNE und FREIWILLIG Teilzeit und kümmern sich DENNOCH nicht um eine Lösung für die ihnen drohende Altersarmut. Da frage ich mich schon: Ist das wirklich Euer Ernst Mädels? #sparen #altersvorsorge #investieren #finanzen