8 Anlagestrategien im Vergleich: so baust Du Dein perfektes Portfolio auf

Anlagestrategien gibt es viele. Doch welche erzielt die beste Rendite in Kombination mit dem besten Risikoprofil? Und welche ist besonders für Privatanleger geeignet? In diesem Artikel vergleiche ich die 8 bekanntesten Anlagestrategien unter Berücksichtigung wichtiger Merkmale wie Rendite, Kosten, Zeitaufwand und Risiko miteinander. Und ich zeige Dir, wie Du Dein Portfolio aufbaust.


Ebenso, wie viele auf den baldigen Lottogewinn hoffen, träumen nicht wenige Anleger davon, an der Börse wirklich reich zu werden und in die Fußstapfen von Warren Buffet zu treten. Am besten mit einer todsicheren Strategie, die garantiert zum Erfolg führt.

Aus diesem Grund gibt es eine ganze Menge Anlagestrategien, also Vorgaben, nach denen ein investor seine Entscheidungen trifft. Diese Strategien bestimmen, wie ein Anleger langfristig bei der Verteilung seiner Mittel (der sogenannten Asset Allokation), beim Handel mit Aktien, ETFs, Anleihen & Co. und beim Risikomanagement seiner Anlagen vorgeht.

1 | Aufbau eines Portfolios

Der erste Schritt bei der Anlagestrategie ist immer die Bestimmung des Anlegertypus. Denn bevor Du nicht weißt,

  • welche Risikobereitschaft Du besitzt

  • welche Renditeerwartungen Du mit Deiner Anlage verknüpfst und

  • wie lange Du das Geld investieren möchtest

kannst Du Dich noch für keine Anlagestrategie entscheiden. Denn die passende Anlagestrategie berücksichtigt nicht nur objektive Kriterien bei der Auswahl der Investments, sondern immer auch die finanzielle Situation und die Risikobereitschaft des Anlegers.

Genau deshalb gibt es auch nicht DIE perfekte Anlagestrategie, sondern immer nur die, die am besten zum jeweiligen Anleger passt.

Das magische Dreieck der Vermögensanlage

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Ein hilfreiches Tool, um den eigenen Anlegertypen zu bestimmen, ist das sogenannte magische Dreieck der Vermögensanlage. Denn so sehr wir uns alle die eine Anlageform wünschen, die uns maximale Renditen bei minimalstem Risiko und dauerhafter Verfügbarkeit verspricht - es gibt sie leider nicht.

Also ist jede Geldanlage ein Kompromiss aus den 3 bestimmenden Faktoren:

  1. Rendite

  2. Sicherheit und

  3. Verfügbarkeit

Je nach Alter, Lebenssituation und persönlicher Präferenz ist ein Anleger z.B. eher risikofreudig oder eben nicht. Der risikofreudigere Anleger wird mit einer höheren Renditechance belohnt, die der risikoaverse Anleger nicht hat (dafür ist sein Geld dann sicher). Der risikoaverse Anleger “bezahlt” die Sicherheit aber damit, dass er auf eine höhere Rendite verzichtet.

Neben den objektiven Kriterien spielt übrigens auch der eigene Bauch eine wichtige Rolle bei der Entscheidung über den Anlagetyp. Denn was bringt es Dir, wenn Du zwar objektiv betrachtet ein hohes Risiko verträgst, Du aber vor lauter Sorge nachts nicht schlafen kannst?

Die Asset Allokation

Ist der Anlegertypus bestimmt, geht es an den Aufbau des Portfolios und damit der sogenannten Asset Allokation.

Ein Portfolio kann sich aus vielen verschiedenen Anlageklassen zusammensetzen, von der Anleger sich eine Wertsteigerung erhofft:

  • Einlagen (Tages- und Festgeld, Sparkonto, Sparplan)

  • Wertpapiere (Aktien, Anleihen, Fonds, Zertifikate)

  • Immobilien (Eigenheim, vermietete Immobilien, Immobilienfonds)

  • Rohstoffe (Agrarrohstoffe, Energierohstoffe, Edelmetalle wie Gold)

  • Alternative Investments (Private Equity, Hedgefonds)

Die Verteilung bestimmt sich sowohl nach dem jeweiligen Anlegertypen, als auch nach der Anlagestrategie.

Der Diversifizierungsgrundsatz

Grundsätzlich gilt jedoch der Diversifizierugnsgrundsatz. Denn neben Gewinnchancen, bietet jede Anlage auch Verlustrisiken. Um diese zu reduzieren, empfiehlt sich immer, nicht nur in eine Anlage zu investieren, sondern sein Investment zu streuen und so die folgenden Risiken zu begrenzen:

  • Titel- und Objektrisiko
    Dies ist das Risiko, dass z.B. das Unternehmen, dessen Aktie Du gekauft hast oder die Immobilie, die Du besitzt, im Wert fällt. Dies kann bis zum Totalverlust gehen

  • Marktrisiko
    Dies ist das Risiko, dass sich der Markt als Ganzes schlecht entwickelt; z.B. in einer Wirtschaftskrise

  • Währungsrisiko
    Dies entsteht immer, wenn Du in Anlagen in fremden Währungen investierst. Durch Schwankungen des Wechselkurses verändert sich immer auch der Wert Deiner Anlage.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren Faktor zu beachten: die Korrelation der einzelnen Risiken untereinander, also den Kurseffekt, den ein Risikofaktor auf einen weiteren haben kann. So kann es z.B. sein, dass Du nur deutsche Aktien im Portfolio hast, deren Kurse sich aber auch bei Wechselkursveränderungen negativ entwickeln.

2 | Vergleich verschiedener Anlagestrategien

Grundsätzlich ist jede Anlage, die einer bestimmten Vorgabe folgt, eine Anlagestrategie. Dementsprechend gibt es unzählige Strategien und Wege, sein Geld anzulegen. Wie schon gesagt: DIE richtige gibt es nicht, sondern immer nur die, die am besten zum jeweiligen Anleger passt und dessen objektive und subjektive Präferenzen berücksichtigt.

1 | aktive und passive Strategien

Neben den oben schon betrachteten Kriterien, gibt es noch die Unterscheidung in aktive und passive Anlagestrategien:

  • Aktive Strategie
    Bei der aktiven Strategie versucht der Anleger sich einen Informationsvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern zu verschaffen und diesen zu nutzen, um bessere Renditen zu erzielen. Er betreibt also aktives Vermögensmanagement, indem er versucht, die besten Anlagen (sogenanntes “stock-picking”) und den besten Zeitpunkt (sogenanntest “market-timing”) für seine Anlage zu bestimmen. Meist vergleichen aktive Anleger ihre erzielten Renditen mit einem Referenzindex, den sie immer zu schlagen versuchen.

  • Passive Strategie
    Passive Anleger hingegen wollen nicht besser sein, als ein Referenzindex, sondern diesen nachbilden und so eine vergleichbare Rendite bei vergleichbarem Risiko erzielen. Sie verzichten daher bewusst darauf, Kurse vorhersagen zu wollen und nach dem besten Ein- und Austiegszeitpunkt zu suchen, was diese Art der Strategie deutlich weniger aufwändiger macht.

Generell sind - wie der Name es schon vermuten lässt - aktive Strategien aufwändiger in der Umsetzung, da diese davon leben, dass der Anleger informiert bleibt und aktiv nach möglichen Chancen sucht. Passive Strategien hingegen, sind in der Regel weniger aufwändig umzusetzen.

Im Folgenden stelle ich Dir nun die bekanntesten Anlagestrategien vor.

2 | aktive Strategien

Growth Investing
Wie der Name schon sagt, geht es bei der Growth Strategie darum, Wachstumsmärkte und wachstumsstarke Unternehmen zu identifizieren und in sie zu investieren. Das Ziel ist es, dadurch besser abzuschneiden, als andere Marktteilnehmer.

  • Merkmale: stock-picking und market-timing

  • Anlagehorizont: meist kurz- bis mittelfristig

  • Kosten: hoch - durch häufiges Handeln entstehen hohe Transaktionsgebühren

  • Zeitaufwand: hoch - durch aufwändige Recherchen und regelmäßiges Handeln

  • Risikostreuung: eher gering - es werden meist nur wenige Einzelaktien gehalten

  • Renditeziel: hoch - in der Realität sieht es jedoch so aus, dass die meisten Investoren mittel- bis langfristig hinter der Marktentwicklung zurückbleiben, die sei ja eigentlich schlagen wollen

Antizyklische Strategie
Bei der Antizyklischen Strategie (auch Contrarian-Strategie genannt) ist das Ziel, bestimmte Aktien immer dann zu kaufen, wenn die Mehrheit der Marktteilnehmer pessimistisch ist; und sie wieder zu verkaufen, wenn die Mehrheit optimistisch ist. Der Anleger spekuliert also gegen den Trend und versucht so, hohe Renditen zu erzielen.

  • Merkmale: stock-picking und market-timing gegen den Trend

  • Anlagehorizont: eher kurzfristig

  • Kosten: hoch - durch häufiges Handeln entstehen hohe Transaktionsgebühren

  • Zeitaufwand: hoch - durch aufwändige Recherchen und regelmäßiges Handeln

  • Risikostreuung: eher gering - es werden meist nur wenige Einzelaktien gehalten

  • Renditeziel: hoch - in der Realität sieht es hier jedoch ebenfalls meist anders aus, denn die exakten Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu treffen ist extrem schwierig.

Momentum Strategie
Die Momentum Strategie wird auch als prozyklische Strategie bezeichnet und ist das Gegenteil der antizyklischen Strategie. Hier wird nicht gegen, sondern mit dem Trend gearbeitet und auf solche Titel gesetzt, von denen in Kürze ein beschleunigter Anstieg erwartet wird. Fallen die Aktien, wird meist sofort verkauft.

  • Merkmale: stock-picking und market-timing mit dem Trend

  • Anlagehorizont: eher kurzfristig

  • Kosten: hoch - durch häufiges Handeln entstehen hohe Transaktionsgebühren

  • Zeitaufwand: hoch - durch aufwändige Recherchen und regelmäßiges Handeln

  • Risikostreuung: eher gering - es werden meist nur wenige Einzelaktien gehalten

  • Renditeziel: hoch - in der Realität sieht es hier jedoch ebenfalls meist anders aus, denn die exakten Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu treffen ist auch hier extrem schwierig.

3 | passive Strategien

Value Investing
Value-Investoren suchen gezielt nach Unternehmen, die an der Börse noch unterbewertet sind. Hierzu werden keine Kursprognosen, sondern betriebswirtschaftliche Analysen herangezogen. Die Auswahl der Aktien erfolgt also anhand von Qualität und nicht aufgrund erwarteter Wertsteigerungen. Prominentester Vertreter des Value Investing ist übrigens Warren Buffet.

  • Merkmale: gezielte Auswahl anhand aufwändiger Analysen

  • Anlagehorizont: mittel- bis langfristig

  • Kosten: niedrig

  • Zeitaufwand: sehr hoch bei den aufwändigen Analysen; danach eher gering

  • Risikostreuung: eher gering - es werden meist nur wenige Einzelaktien gehalten

  • Renditeziel: mittel

Quality Investing
Quality Investoren investieren nicht in unterbewertete, sondern in qualitativ hochwertige und auch hoch bewertete Aktien. Die Grundidee dabei ist, die “besten” Aktien auszuwählen. Auch hier erfolgt die Auswahl anhand umfassender betriebswirtschaftlichen Analysen; aber auch aufgrund externer Bewertungen.

  • Merkmale: gezielte Auswahl anhand aufwändiger Analysen

  • Anlagehorizont: mittel- bis langfristig

  • Kosten: niedrig

  • Zeitaufwand: sehr hoch bei den aufwändigen Analysen; danach eher gering

  • Risikostreuung: eher gering - es werden meist nur wenige Einzelaktien gehalten

  • Renditeziel: mittel

Dividendenstrategie
Bei der Dividendenstrategie wählen Anleger gezielt solche Unternehmen aus, die eine hohe regelmäßige Dividende ausschütten. Der Vorteil für die Anleger liegt in den regelmäßigen, teilweise üppigen Ausschüttungen, die - im besten Fall - die Kursgewinne noch ergänzen. Nachteil ist, dass Dividenden nicht garantiert sind und auch Unternehmen, die lange Zeit regelmäßig hohe Dividenden gezahlt haben, davon zukünftig jederzeit Abstand nehmen können.

  • Merkmale: gezielte Auswahl von Unternehmen, die in der Vergangenheit hohen Dividende gezahlt haben

  • Anlagehorizont: mittel- bis langfristig

  • Kosten: niedrig

  • Zeitaufwand: gering

  • Risikostreuung: eher gering - es werden meist nur wenige Einzelaktien gehalten

  • Renditeziel: mittel bis hoch

Buy & Hold Strategie
Das Ziel dieser Strategie ist es, Aktien zu kaufen und dann sehr lange zu halten; mindestens mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Die Strategie beruht auf der Annahme, dass sich der Aktienmarkt trotz kurz- bis mittelfristiger Schwankungen langfristig immer positiv entwickelt; was verschiedenste Studien übrigens auch belegen. Die Strategie ist extrem unkompliziert und ohne viel Arbeit umzusetzen, weshalb gerade Neulinge von ihr profitieren.

  • Merkmale: extrem langfristiger Anlagehorizont

  • Anlagehorizont: langfristig

  • Kosten: niedrig

  • Zeitaufwand: sehr gering

  • Risikostreuung: gering bis hoch

  • Renditeziel: mittel

Indexorientierte Strategie
Die Indexorientierte Strategie ist im Grunde genommen eine Abwandlung der buy&hold-Strategie. Statt in einzelne Aktien wird hier in ETFs, also Indexfonds investiert, die ebenfalls sehr lange gehalten werden. Die Rendite entspricht dem jeweiligen Index, der abgebildet wird. Diese Strategie ermöglicht gerade Privatanlegern eine deutlich größere Diversifikation und damit Risikostreuung als die klassische buy&hold-Strategie.

  • Merkmale: starke Diversifikation und extrem langfristiger Anlagehorizont

  • Anlagehorizont: langfristig

  • Kosten: sehr niedrig

  • Zeitaufwand: sehr gering

  • Risikostreuung: hoch

  • Renditeziel: mittel

3 | Fehler bei der Anlagestrategie

Der größte Fehler, den Du bei der Wahl Deiner Anlagestrategie machen kannst, ist sicher, Dir eine auszusuchen, die gar nicht Deinem Anlegertyp und Risikoprofil entspricht. Denn wenn Du keine Lust hast, Dich Tag und Nacht mit der Börse zu beschäftigen, dann ist eine extrem aktive Strategie sicher der falsche Weg.

Doch auch darüber hinaus gibt es einige Fehler, die Du vermeiden solltest:

  1. Hohe Kosten
    Viele Anleger nehmen die Kosten, die ihnen durch den Kauf und Verkauf von Aktien entstehen einfach als gegeben hin. Dabei können sie, gerade bei sehr aktiven Strategien einen gewaltigen Einfluss auf die erzielte Rendite haben (und zwar einen negativen!). Daher solltest Du immer bestrebt sein, Deine Kosten so niedrig wie möglich zu halten.
    Dies ist übrigens auch der Grund, warum sich ETFs so großer Beliebtheit erfreuen: da sie nicht aktiv gemanagt werden müssen, sind sie extrem günstig, was direkt der Rendite zugute kommt.

  2. Historische Rendite
    Leider kann niemand zuverlässig in die Zukunft schauen, so dass historische Entwicklungen gerne als Indikator herangezogen werden. Grundsätzlich ist das eine gute Herangehensweise; allerdings sollte niemand davon ausgehen, dass sich die vergangene Entwicklung wirklich 1:1 so fortsetzt

  3. Performance hinterherjagen
    So schön die Idee ist, den Markt schlagen zu wollen; in der Realität gelingt so etwas langfristig nicht mal ausgewiesenen Experten. Privatinvestoren neigen darüber hinaus dazu, zu spät auf vermeintliche Trends aufzuspringen und verpassen so meist die größte Entwicklung, so dass die Strategie noch weniger ausgeht. Ergo: Finger weg davon.

  4. Überschätzung
    Gerade betriebswirtschaftlich nicht geschulte Anleger sind gut beraten, ihre Anlagestrategie von einem neutralen Experten überprüfen zu lassen. So können sie es gut vermeiden, eine nicht passende Strategie auszuwählen, oder Fehler bei der Umsetzung zu machen.

 
 

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