Altersvorsorge für selbstständige Frauen - so organisierst Du Deine geschäftlichen und privaten Finanzen

Selbstständige Frauen verdienen rund 44% weniger als ihre männlichen Kollegen. Viele davon liegen gerade gerade einmal knapp über dem Mindestlohn. Hinzu kommt, dass sie - anders als Angestellte, von diesem geringen Lohn auch noch selber ihre Altersvorsorge bestreiten müssen.

Ein Versorgungswerk im Hintergrund? Ein Arbeitgeber, der die Hälfte dazu zahlt? Fehlanzeige.

Nicht umsonst gehören selbstständige Frauen zu den am stärksten von Altersarmut gefährdeten Gruppen. Was Du tun kannst, damit Dir das nicht passiert und wie eine sinnvolle Altersvorsorge für selbstständige Frauen aussieht, zeige ich Dir in diesem Artikel.


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Herausforderungen als selbstständige Frau

Bevor wir uns aber mit Verträgen und Fachbegriffen beschäftigen, lass uns zunächst einmal durchgehen, wie Du Deine Finanzen als Selbstständige organisieren solltest und wie Du mit den finanziellen Besonderheiten der Selbstständigkeit umgehst.


1 | Unsicheres, schwankendes Einkommen

Der größte Unterschied zum Angestelltenverhältnis ist sicherlich das wechselnde Einkommen. Vorbei die Zeiten, in denen 1x im Monat ein fester Betrag auf Deinem Konto landete. Als Selbstständige liegt Dein Gehalt irgendwo zwischen null und unendlich.

Und im Gegensatz zu einem Arbeitgeber, der immer pünktlich zahlt, musst Du Dich als Selbstständige im Zweifel auch noch mit schlechter Zahlungsmoral rumschlagen.

Da hilft nur eins: in guten Monaten solltest Du richtig was auf die Seite packen, um damit etwaige schlechte Monate ausgleichen zu können. Womit wir direkt bei Punkt 2 sind: den Rücklagen.


2 | Rücklagen bilden

Hier liegt die nächste Stolperfalle für Selbstständige: das Geld, was auf Dein Konto fließt, gehört nicht Dir allein. Denn neben Umsatz- und Gewerbesteuer musst Du davon auch noch Einkommenssteuer zahlen. Eventuell auch noch Körperschaftssteuer.

Baust Du hier nicht von Anfang an Rücklagen auf, kann das böse enden. Spätestens dann, wenn das Finanzamt “plötzlich” zeitgleich die Einkommenssteuer für das vergangene Jahr und eine saftige Vorauszahlung für das nächste Jahr verlangt.


Was Du dagegen tun kannst?

Bilde sofort Rücklagen:

  • Überweise vereinnahmte Umsatzsteuer direkt auf ein separates Konto

  • Lege ein weiteres Konto an, auf dem Du Rücklagen für die sonstigen Steuerzahlungen bildest. 40% vom Nettoumsatz sind oft ein guter Wert.

  • Der Rest gehört Dir; vergiss aber nicht, auch hiervon Rücklagen für “schlechte Zeiten”, Weiterbildung usw. zu bilden


3 | Trennung von privaten und beruflichen Finanzen

Deine beruflichen Finanzen hast Du damit soweit im Griff. Doch wie im letzten Punkt schon erwähnt, solltest Du nicht alles, was Du nach Abzug der Steuerrücklagen auf Deinem Konto hast, als Gehalt ansehen.

Und schon gar nicht solltest Du Deine geschäftlichen und privaten Finanzen in einen Topf werfen, oder über nur ein Konto laufen lassen. Auch, wenn es schwer fällt. Besser, Du trennst Deinen Finanzen säuberlich nach Business und privat.

Am einfachsten gelingt Dir das, wenn Du dabei mit mehreren Konten arbeitest. Für die privaten Finanzen bin ein großer Freund des 6-Konten-Modells, was Dir wirklich einen wunderbaren Überblick über Deinen Finanzen ermöglicht.

Und so ähnlich halte ich es auch im Business. Auch hier habe ich mehrere Unterkonten, auf denen ich Rücklagen anlege:

  1. Tagesgeldkonto für die Steuerrücklagen

  2. Tagesgeldkonto für Rücklagen für “schlechte Zeiten”

  3. Tagesgeldkonto für Investitionen (Weiterbildung, neuer PC usw.)

Zusätzlich zahle ich mir monatlich ein festes “Gehalt” aus, was ich per Dauerauftrag vom geschäftlichen Girokonto auf das private überweise.


Ist Die das zu kompliziert? Dann geht es natürlich auch einfacher mit folgenden 4 Konten:

  1. Business-Girokonto: hierauf geht Dein gesammelter Umsatz ein und die regelmäßigen Zahlungen Deines Businesses ab

  2. Business-Rücklagenkonto: hierauf kommen die Rücklagen für Steuern, schlechte Zeiten usw.

  3. Privat-Girokonto: hierauf zahlst Du Dir Dein monatliches Gehalt, von dem Du dann Deine Lebenshaltungskosten bestreitest

  4. Privat-Rücklagenkonto: hierauf bildest Du private Rücklagen für z.B. den nächsten Urlaub, die kaputte Waschmaschine usw.


Wichtig sind aus meiner Sicht insbesondere folgende Punkte:

  • Geschäftliche Zahlungen laufen nur über die geschäftlichen Konten; private nur über die privaten

  • Du hast eine geschäftliche und eine private Rücklage, die klar voneinander getrennt sind

  • Du zahlst Dir monatlich ein festes “Gehalt”, von dem Du lebst

4 | Investieren oder Konsumieren

Womit wir beim nächsten Thema sind: wie viel Gehalt solltest Du Dir eigentlich auszahlen und wie viel Geld im Business lassen? Zugegeben: eine der schwierigsten Entscheidungen als Unternehmerin, für die es keinerlei “perfekte” Lösung gibt.

Denn auf der einen Seite willst Du natürlich gut leben können; auf der anderen aber auch möglichst viel Geld in Dein Business und seine Entwicklung stecken, denn die ist ja letztlich dafür verantwortlich, dass Du Dir auf Dauer ein gutes Gehalt zahlen kannst.

Was also tun?

Hier ein paar Punkte, die Du bedenken solltest:

  1. Dein Gehalt muss Deine Kosten decken
    Zuerst einmal sollte das Gehalt, was Du Dir zahlst, so hoch sein, dass Du davon Deine laufenden Lebenshaltungskosten decken kannst. Alles andere macht auf Dauer wenig Sinn.

  2. Eine Investition ins Business ist meist auch eine Investition in Dich
    Viele Selbstständige sind der Dreh- und Angelpunkt in ihrem Business. Sei es, weil sie als Coach, Dienstleister und Berater mehr oder weniger solo unterwegs sind, oder aber, weil das Business ohne sie weder laufen noch funktionieren könnte. Daher ist es bei den meisten so, dass eine Investition ins Business immer auch eine Investition in sie selber ist.

  3. Ein Business kann nur wachsen, wenn Du in es investierst
    Wachstum entsteht üblicherweise nur durch Investitionen. Daher ist es unumgänglich, dass Du in Dein Business investierst, wenn Du möchtest, dass es wächst.

  4. Konsumausgaben sind keine Investition
    Ein toller Firmenwagen, das hippe Büro und ständig die neuesten technischen Gadgets sind nicht unbedingt das, was man als gute Investition versteht. Will heißen: überlege Dir gut, wohin Du Deine Investitionen steckst. Muss es gleich der Luxusschlitten sein, oder tut es die ersten Jahre auch ein Kleinwagen? Brauchst Du wirklich immer das neueste technische Equipment? Hier ist weniger oft mehr.

5 | Vereinbarkeit von Business und Familie

Letzter wichtiger Punkt ist die Vereinbarkeit von Job und Familie. Leider bleibt dies noch immer viel zu oft nur an den Frauen “hängen”, die für die Kinder auf ein Vollzeitbusiness verzichten.

Natürlich darf das jede selbst entscheiden. Und oft ist eine Selbstständigkeit die Lösung schlechthin, wenn es darum geht, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Doch dies bleibt natürlich nicht ohne Folgen.

Ebenso wie in Teilzeit angestellte Frauen, haben auch Teilzeitselbstständige üblicherweise ein geringeres Einkommen. In einer funktionierenden Partnerschaft mag das kein Problem sein, doch auf sich alleine gestellt, könnten diejenigen sich und ihre Familie oft nicht alleine durchbringen. Geschweige denn, fürs eigene Alter vorsorgen.

Sollte dies auch Dich betreffen, bieten sich folgende Lösungen an:

  1. Du kennst Deine schlechte Ausgangslage, aber es ist Dir egal und Du willst nichts dran ändern
    Nicht zu empfehlen!

  2. Du redest mit Deinem Partner und ihre teilt Euch Arbeits- und Betreuungszeiten, so dass auch das “Gehalt” gleichmäßiger/gerechter verteilt ist
    Zugegeben; diese Lösung ist nicht gerade einfach umzusetzen. Denn je nachdem, wie groß die Gehaltsdifferenz zwischen Dir und Deinem Partner ist, kann es a) ganz schön weh tun, wenn davon ein Teil wegfällt und b) sein, dass es erstmal dauert, bis Deine Selbstständigkeit dieses Loch auffängt. Auch kann natürlich nicht jeder in jedem Job “mal eben so” auf Teilzeit schwenken.
    Doch die Lösung muss ja nicht unbedingt 50:50 sein. Alles, was die finanzielle Ungerechtigkeit zu Deinen Gunsten verschiebt, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

  3. Dein Partner zahlt Dir einen finanziellen Ausgleich dafür, dass Du für die Familie beruflich zurück steckst
    Dies ist sicherlich die am einfachsten umzusetzende Lösung, denn bis auf die finanzielle Regelung, muss erstmal nichts an Job & Co. geändert werden. Stattdessen zahlt Dir Dein Partner einen monatlichen Ausgleich dafür, dass Du für die Familie beruflich zurück steckst.

Perfekt vorgesorgt als selbstständige Frau

Wie genau Du als Selbstständige Deine Altersvorsorge angehen und ordnen solltest, zeige ich Dir übrigens in meinem gratis Finanz-Kurs, für die Du Dich hier gratis anmelden kannst.

Darin lernst Du, wie Du das leidige Thema Altersvorsorge ein für allemal von Deiner To Do-Liste streichen kannst. Und zwar ohne zum Finanzexperten werden zu müssen, oder Gefahr zu laufen, auf windige Berater reinzufallen.

 
 

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Selbstständige Frauen gehören zu den am stärksten von Altersarmut gefährdeten Gruppen. Was Du tun kannst, damit Dir das nicht passiert und wie eine sinnvolle Altersvorsorge für selbstständige Frauen aussieht, zeige ich Dir in dieser Serie. Heute: wie Du als selbstständige Frau Deine Finanzen organisierst. #Altersvorsorge #geld #finanzen #sparen #etf