Wie ich heute 10.000€ anlegen würde

Ab 10.000€ kommt bei vielen die Frage auf: Wie lege ich dieses Geld möglichst gewinnbringend an. Denn es bei den aktuellen Niedrigzinsen ist es auf Sparbuch & Co. nicht besonders einträglich angelegt. Ich gebe Dir wichtige Tipps für Deine Geldanlage und zeige Dir 3 Anlagestrategien, die Du auch für Dein Erspartes einfach umsetzen kannst.

Geht es Dir auch so, dass Du vor lauter Finanzempfehlungen keinen Überblick mehr darüber hast, was denn nun der richtige Weg ist, um 10.000€ anzulegen? Dass das Tagesgeldkonto nicht der beste Weg ist, ist klar. Doch wie geht es besser?

Heute zeige ich Dir, welche 7 Punkte Du bedenken solltest, wenn Du diesen (oder einen ähnlichen) Betrag möglichst gut anlegen willst und wie ich es machen würde.

1 | Die vier Grundregeln der Geldanlage

1 | Mehr Rendite gibt es nur in Kombination mit mehr Risiko

So sehr Du Dir vielleicht auch wünschst, eine Anlageform zu finden, die hohe Rendite und niedriges Risiko vereint - es gibt sie leider nicht. Nur wer bereit ist, mehr Risiko in Kauf zu nehmen, darf sich langfristig über mehr Rendite freuen.

Genau aus diesem Grund sind die Renditen von durch den Einlagensicherungsfonds abgesicherte Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld & Co. auch so schlecht. Denn sie kommen ohne Risiko daher. Bessere Renditen bekommen nur die, die bereit sind Risiken zu tragen, z.B. in Form von Kursschwankungen, wie sie an der Börse üblich sind. Derjenige, der bereit ist, schwankende Kurse auf sich zu nehmen, hat dafür auch die Chance auf hohe Erträge.

2 | Breite Streuung reduziert Deine Risiken

Eine Methode, Risiken zu minimieren, ist die breite Streuung Deiner Anlagen. Investierst Du z.B. nur in eine Aktie, ist Dein Risiko viel höher, als wenn Du Dein Investment auf mehrere Aktien verteilst.

Nehmen wir einmal an, Du hättest z.B. nur in die Aktien der Deutsche Bank AG investierst, statt gleich in die kompletten 30 Werte des DAX. Dann sähe Deine Anlage ganz schön über aus. Denn die Deutsche Bank hat sich, verglichen mit dem DAX (in dem sie auch enthalten ist!) ganz schön mies entwickelt:

Chart: Finanzen.net

Chart: Finanzen.net

Deshalb lautet Regel Nummer 2: streue Dein Risiko breit. Dann fällt die schlechte Entwicklung eines Wertes nicht so sehr ins Gewicht.

3 | Gut Ding will Weile haben

Der zweite risikomindernde Faktor ist die Zeit. Je länger Du Dein Geld liegen lassen kannst, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du eine “schlechte Phase” aussitzen kannst. Denn genauso, wie es an der Börse immer mal wieder nach unten geht, genauso erholt sie sich irgendwann auch wieder. Hast Du Zeit, darauf zu warten, hast Du auch kein Problem. Brauchst Du hingegen mitten in einer Krise Dein Geld, kann das echt weh tun.

Statistische Erhebungen beweisen dies übrigens: diejenigen, die ihr Geld sehr langfristig an der Börse angelegt haben, konnten sich immer über schöne Renditen freuen.

Quelle:  Welt.de

Quelle: Welt.de

4 | Auf die Kosten achten

Alle Kosten, die Du vermeidest, wirken sich positiv auf Deine Rendite aus. Ein Faktor, der gerne vergessen wird, weil es nicht so offensichtlich ins Gewicht fällt. Doch der Teufel liegt hier wirklich im Detail.

Häufiges wechseln der Anlageform führt immer wieder zu Ordergebühren. Aktive Fonds verlangen 2%-5% Ausgabeaufschlag (den der Fonds erstmal wieder reinholen muss!) usw. Schnell wird so ein Großteil der Rendite aufgefressen…

Im Gegensatz dazu kommen ETF mit einem Bruchteil der Kosten aus, weshalb sie für die meisten Privatanleger die beste Wahl sind und auch in meiner Strategie für die 10.000€ eine wichtige Rolle spielen.

2 | Zuerst einen Notgroschen anlegen

Vor der Anlage des Geldes, sollte aber immer der Aufbau eines Notgroschens stehen. Denn eine Reserve zu haben, die jederzeit flüssig ist, sollte jede von uns haben. Diese sollte mindestens 3, besser 6 Monate zum Leben reichen und dient zur Überbrückung unerwarteter Ausgaben. Z.B.:

  • Trennung vom Partner (egal von wem sie ausgeht)

  • Auto, Waschmaschine usw. kaputt

  • Notwendiger Umzug

  • Plötzliche Lust auf eine Weltreise

  • usw.

Beträgt Dein Nettoeinkommen (als Selbstständige kannst Du auch einfach mit Deinen Lebenshaltungskosten rechnen) 2.000€ im Monat, dann sollte Deine Reserve mindestens 6.000€, besser noch 12.000€ betragen, die Du auf einem Tagesgeldkonto parken willst, damit Du jederzeit über das Geld verfügen kannst.

In diesem Beispiel nehme ich einfach an, eine entsprechende Rücklage besteht schon und ich kann wirklich die kompletten 10.000€ langfristig anlegen.

3 | Die Anlagestrategie

Bevor ich mich mit irgendwelchen Anlageformen oder Produkten auseinandersetze, beginne ich zuerst bei der Frage, wie hoch denn das Risiko meiner Geldanlage sein sollte und teile meinen Anlagebetrag von 10.000€ in einen risikorreichen und einen risikoarmen Teil auf.

Grundsätzlich ist jede Aufteilung von 0% risikoreich/100% risikoarm bis hin zu  100% risikoreich/0% risikoarm möglich. Was für Dich optimal ist, bestimmst Du am besten anhand der folgenden 3 Kriterien:

  1. Renditeerwartung (je mehr Ertrag zu erzielen willst, desto mehr Risiko musst Du bereit sein zu nehmen)

  2. Anlagehorizont (je länger Du auf das angelegt Geld verzichten kannst, desto mehr Risiko kannst Du vertragen)

  3. Bauchgefühl (alle objektiven Kriterien sind absolut wertlos, wenn Dein Bauch schon bei dem geringsten Risiko sehr laut grummelt)

Je nachdem, wie risikobereit Du bist, willst Du den Anlagebetrag aufteilen und entweder eine besonders sichere Anlage, eine gleichmäßig verteilte oder auch eine risikofreudige Anlagestrategie wählen.

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Ich persönlich verfüge über sehr viel Erfahrung an der Börse und möchte mein Geld langfristig und möglichst gewinnbringend anlegen. Außerdem weiß ich, dass ich damit umgehen kann, wenn mein Depot auch für eine längere Zeit tiefrote Zahlen zeigt. Daher wähle ich eine sehr risikofreudige Strategie und entscheide mich dafür, 90% des Geldes (also 9.000€) risikoreich und 10% risikoarm anzulegen.

Ein mittelmäßig risikofreudiger Anleger würde hingegen eher 50% risikoarm (also 5.000€) und 50% risikoreich anlegen. Der risikoaverse Anleger hingegen nur 10% risikoreich (also 1.000€).

4 | So lege ich den sicheren Teil an

Beginnen wir mit der Anlage des risikoarmen Teils. Hier gibt es grundsätzlich 2 Anlagemöglichkeiten:

  1. Tagesgeld oder Festgeld
    Während das Tagesgeld täglich verfügbar ist, wird das Festgeld für eine bestimmte Zeit “festgelegt”, während der der Anleger nicht über das Geld verfügen kann. Dadurch bekommt man beim Festgeld leicht bessere Konditionen, selbst wenn sie aktuell natürlich alle eher mies sind.
    Tages- und Festgeld haben den Vorteil, dass sie bis zu einer Höhe von 100.000€ durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert sind

  2. Renten- oder Anleihe-ETFs
    Alternativ dazu, könnte der risikoarme Anteil auch in sogenannte Renten- oder Anleihe-ETFs investiert werden. Das sind ETFs, die statt in Aktien in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Diese gelten als sichere und stabile Anlage, weil es sich um Schuldverschreibungen handelt und der Investor hier keine Beteiligung erwirbt (wie bei Aktien)

Ich entscheide mich, meinen risikoarmen Teil in Tages- oder Festgeldern anzulegen. Renten-ETFs (bzw. die zugrunde liegenden Indizes) sind meist recht unübersichtlich und die Renditen sind aktuell ebenfalls mies. Hinzu kommt, dass mein Tages- oder Festgeld noch durch den Einlagensicherungsfonds abgesichert ist; ein solcher Fonds ist es nicht. Dadurch ist das Risiko, wenngleich gering, beim Fonds größer und dass, obwohl ich aktuell kaum eine bessere Rendite erzielen könnte.

Um meine Erträge ein wenig zu verbessern, würde ich statt des Tagesgelds ein Festgeld mit einer erstmal 2-jährigen Laufzeit wählen. Wichtig ist hier, die

5 | So lege ich den risikoreichen Teil an

Im nächsten Schritt legen wir nun den risikoreichen Teil an, also den, der für die Rendite verantwortlich ist. Wegen der geringen Kosten und der breiten Streuung sind ETFs für Privatanleger optimal.

Das Ziel dabei ist, den Anlagebetrag so breit wie möglich zu streuen und gleichzeitig so wenig Überschneidungen wie möglich zu haben. Denn jede Überschneidung geht zu Lasten der Diversifikation.

Was heißt das in der Praxis? Lass uns ein paar Indizes einmal ansehen:

  • MSCI World: investiert in rund 1.600 große Unternehmen aus 23 Industrienationen der Welt

  • MSCI All Countries World: investiert in rund 2.700 Unternehmen aus 47 Nationen und enthält 11% Investments in Schwellenländern

  • MSCI Emerging Markets: investiert in rund 800 Unternehmen aus 23 Schwellenländern

Ganz grob gesprochen, enthält der MSCI All Countries Index sowohl die Aktien aus dem MSCI World Index, als auch die aus dem MSCI Emerging Markets Index. Allerdings im Verhältnis 89%/11%.

Entscheide ich mich nun für den MSCI All Countries, brauche ich keinen MSCI Emerging Market mehr hinzunehmen; das wäre ja sonst eine Überschneidung und die wollen wir ja vermeiden. Gefällt mir allerdings die Verteilung von 89%/11% im MSCI All Countries nicht, weil ich z.B. mehr Fokus auf die Schwellenländer legen möchte, dann entscheide ich mich für die Kombi MSCI World und MSCI Emerging Markets.

Und genau das tue ich auch für meine 10.000€. Ich sagte ja bereits, dass ich sehr risikofreudig bin. Daher möchte ich einen höheren Fokus auf die Schwellenländer legen als “nur” 11%.

Außerdem sehe ich mir die beiden Indizes einmal genauer an und prüfe, in welche Unternehmen sie eigentlich investiert sind. Dabei fällt auf, dass der MSCI World in große Unternehmen vor allem in den USA investiert; der MSCI World Emerging Markets in China.

Das ist per se weder gut noch schlecht, sondern einfach eine Tatsache. Grundsätzlich ist auch ein Investment in den MSCI World bereits stark diversifiziert und verspricht eine gute Rendite bei guter Risikostreuung.

Was ich mich dennoch frage, ist: “Gefällt mir das mit Blick darauf, dass ich ja bestmöglich diversifieren will?” Meine persönliche Antwort darauf lautet “nein”, denn mir fehlen sowohl Europa, als auch kleinere Unternehmen in diesen Indizes. Daher würde ich noch einen MSCI Europe SmallCap Fonds mit hinzu nehmen.

Weiter würde ich nicht diversifizieren, denn auch wenn ETFs verhältnismäßig günstig sind, kostet jede Order Geld. Je mehr Fonds ich also im Depot habe, desto höher meine Kosten. Daher würde ich bei einem Anlagebetrag von 10.000€ nicht weiter diversifizieren, um die Kosten niedrig zu halten.

Unterm Strich komme ich also auf folgende Indizes:

  1. MSCI World 65%

  2. MSCI Emerging Markets 25%

  3. MSCI Europe SmallCap 10%

Für jeden Index suche ich mir nun einen passenden ETF heraus und investiere die risikoreichen 9.000€ entsprechend den angegebenen Prozentsätzen; Also 5.850€ in MSCI World, 2.250€ in MSCI Emerging Markets und 900€ in MSCI Europe SmallCap.

6 | ETF kaufen

Ob Du nun ebenfalls in mehrere Fonds investieren willst, oder für den Anfang nur einen breit gestreuten Aktienfonds auswählst, bleibt Dir überlassen. Besser ist es, Du investierst erst einmal nur in einen Fonds, statt ewig an der optimalen Auswahl rumzutüfteln. Mit der Zeit und der steigenden Erfahrung wird es Dir immer leichter fallen, weitere Fonds auszuwählen.

Bevor Du jedoch loslegen kannst, benötigst Du ein Wertpapierdepot. Prinzipiell kannst Du dieses bei jeder Bank eröffnen. Du solltest jedoch auch hier auf die Kosten achten. Da sind zum einen die Depotgebühren und zum anderen die Kosten pro Order, also pro Kauf und Verkauf.
Onlinedepots sind bei vielen Banken kostenlos und sollten daher Deine erste Wahl sein.

Anschließend brauchst Du nur noch Deine Order abgeben. Das ist ähnlich einfach wie ein Kauf in einem Online-Shop. Du wählst einfach den Fonds und den Betrag aus und klickst auf kaufen.

7 | Rebalancing

Danach ist erst einmal nichts weiter zu tun. Die 10.000€ sind angelegt und Du brauchst Dich nicht weiter darum kümmern.

Ganz im Gegenteil: gerade Anfänger sollten versuchen, so selten wie möglich ins Depot zu schauen um sich von kleinen Schwankungen nicht verrückt machen zu lassen.

Das einzige was noch zu tun bleibt, ist das sogenannte Rebalancing, was 1x im Jahr stattfinden sollte.
Mein Depot besteht nun ja aus 3 Fonds im Verhältnis 65%/25%/10%. In einem Jahr werden sich die Kurse dieser Fonds vermutlich nicht alle gleich entwickeln, sondern unterschiedlich. Außerdem dürften meine Fonds mehr Rendite erzielen als das risikoarme Investment auf dem Festgeld.

Dadurch entsprechen nach einem Jahr die festgelegten Gewichtungen leider nicht mehr den anfang festgelegten Werten. Doch genau diese Verteilung möchte ich dauerhaft behalten. Also setze ich mich 1x im Jahr hin und justiere nach:

  • Sind die Fonds stark gewachsen, erhöhe ich meinen risikolosen Anteil, indem ich entweder Geld aufs Tagesgeldkonto nachschieße oder Fondsanteile verkaufe und aufs Tagesgeldkonto lege. Am Ende sollte der risikoarme Anteil wieder 10% betragen

  • Das gleiche mache ich mit meinen risikoreichen Fonds. Auch hier kaufe/verkaufe ich Anteile, um das Verhältnis von 65%/25%/10% wieder herzustellen

Auch hier ist es für Anfänger oft leichter umzusetzen, wenn nicht zu viele Fonds da sind, die nachjustiert werden müssen.

Wichtig ist: bleibe Deiner einmal gewählten Strategie treu und versuche nicht, sie ständig zu optimieren. Schon viele Anleger haben ihre Investments Hals über Kopf verkauft, nur weil sie einmal ins Minus gerutscht waren. Oder ständig, auf der Suche nach noch besseren Investments, Anlagen umgeschichtet haben.


Ich hoffe, ich konnte Dir heute einen Einblick geben, welche Überlegungen ich anstelle, um z.B. 10.000€ zu investieren. Der Prozess ist immer der gleiche, die Gestaltung muss jedoch an jeden Investoren individuell angepasst werden.

Zu Beginn klingt dieser Prozess sicherlich kompliziert. Wenn Du Dich jedoch ein wenig mit dem Thema beschäftigst, wirst Du sicher bald klarer sehen, welche Anlagestrategie und welche Fonds zu Deiner Situation passen.

Wenn Dir das zu mühsam und aufwändig ist, oder Du einfach gerne nochmal einen Fachmann über Deine Ideen und Ziele schauen lassen möchtest, dann sprich mich an und wir schauen, wie ich Dir dabei helfen kann.

 
 

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Ab 10.000€ kommt bei vielen die Frage auf: Wie liege ich dieses Geld möglichst gewinnbringend an. Denn es bei den aktuellen Niedrigzinsen ist es auf Sparbuch & Co. nicht besonders einträglich angelegt. Ich gebe Dir wichtige Tipps für Deine Geldanlage und zeige Dir 3 Anlagestrategien, die Du auch für Dein Erspartes einfach umsetzen kannst. #geld #finanzen #etf #boerse #sparen